Aus der Festschrift

„Unser Dorf hat Zukunft“
50 Jahre Dorfwettbewerb 1961 - 2011

zum 50-jährigen Bestehen des Dorfwettbewerbes
Hrsg.: Bundesm. für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

 

 

Wir in Klein Meckelsen

Zweimaliges „Golddorf“ lüftet das Geheimnis seines Erfolges

Der Erfolg des niedersächsischen, zweimaligen Golddorfes Klein Meckelsen im 50 Jahre alten Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ hat nichts Geheimnisvolles. Es ist schlicht das Ergebnis lebenskluger Menschen, die bereits vor 50 Jahren das „Dorf“ als Lebensraum für sich akzeptiert und mit Blick in die Zukunft sich regelmäßig den sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst haben.

Gute Infrastrukturen sichern die Zukunft im Dorf

Die 1970er, 1980er und 1990er Jahre waren eine Zeit großer Veränderungen. Rat und Einwohner wollten das Dorf nicht ausbluten und zur reinen Schlafstadt verkommen lassen. Unter Infrastruktur verstehen die Bauern und Bürger Klein Meckelsens die Zukunft ihrer Kinder im Dorf zu sichern, ihr Wohnumfeld lebenswert zu gestalten und zu erhalten. Dazu gehören Kindergarten und Schule, Dorfjugend, Freiwillige Feuerwehr, Trachtengruppe, Turn- und Sportverein, Oldtimer-Frünn, Männer-Gesang-Verein und viele andere. Sie gestalten und prägen seit Jahrzehnten aktiv den Lebensmittelpunkt unseres Dorfes.

Beratung „von außen“ ist unerlässlich

Klein Meckelsen war eines der ersten Dörfer im Landkreis Bremervörde, das sich am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ auf Kreis- Landes- und Bundesebene beteiligt hat. Als Berater zogen die damaligen Baudezernenten über die Dörfer und motivierten mit „Zuckerbrot und Peitsche“ unsere Dorfbürgermeister, zuletzt auch Ilse Ropers in Klein Meckelsen, sich mit Leidenschaft für die Teilnahme am Dorfwettbewerb zu engagieren. Und das gelang – nachhaltig! Dabei ging es nie um Geld. Es ging und geht um den Gemeinsinn, um das „Wir“, um den ehrenamtlichen Fleiß nach Feierabend. Um die Dorfjugend, die bei allen wichtigen Aufrufen für Hand- und Spanndienste bereitsteht.

Individueller Nutzen durch gemeinsame Verantwortung für das Ganze

Klein Meckelsen bietet jedem, der sich einbringt eine quicklebendige Dorfgemeinschaft, umgeben von ansehnlichem alten Baumbestand inmitten einer stillen, schönen Landschaft unweit von Hamburg. Zu unserem lebendigen Dorf zählt z.B. die „Viererbande“, ein Damenquartett, dass sich für keine Arbeit zu schade ist. Egal, ob es um die Pflege des Kriegerdenkmals, das Unkraut jäten auf öffentlichen Flächen oder um die Organisation eines Dessert-Buffets bei „Staatsbesuchen“ geht. Da ist die Rentner-Gang, die regelmäßig mit Hacke und Spaten ausrückt, um bei Anlage und Gestaltung des Friedhofes Gras einzusäen, Beete anzulegen, Wege zu planieren sowie Bäume, Stauden und Sträucher zu setzen. Da gab es den „Einsiedler“ am Rande des Dorfes in einer Holzbaracke, der bereits Windenergie für den Eigenbedarf förderte, als noch niemand an regenerative Energien dachte. Und da gab es „Tante Anni“ mit ihrem Laden, die der Krieg nach Klein Meckelsen verschlagen hat. Sie bot ein ausgeklügeltes Sortiment von Waren, das beim Großeinkauf im Supermarkt vergessen worden war. „Tante Anni“ konnte damit leben, aber nichts verdienen. Das „Kalthaus“, natürlich ehrenamtlich betreut, darf getrost als Institution bezeichnet werden. Es wurde genutzt, als es noch keine Kühlschränke, wohl aber erntende Frauen und jagende Männer gab.

DSL und Dorfschnack – wir brauchen beides!

In Klein Meckelsen hat die „Buschtrommel“ zugunsten eines Dorfzettels ausgedient. Er wird von Haus zu Haus gereicht. Der Schnack von Tür zu Tür ist programmiert. Die Gemeindeverwaltung, die Vereine und Verbände nutzen den Zettel noch heute zur Nachrichten- und Informationsübermittlung – trotz DSL - mit Rücksicht auf die Alten und die Technikmuffel.
Das Golddorf Klein Meckelsen hat übrigens geschafft, wovon die Nachbargemeinden noch träumen: DSL – die schnelle Datenleitung im Dorf. In Klein Meckelsen leben nicht nur die aktiven Landwirte, die die ersten Boxenlaufställe im Landkreis bauten, sondern auch eine ganze Reihe von Handwerkern, mittelständischen Unternehmen und Freiberuflern, die auf den schnellen Datenaustausch in einer globalisierten Welt angewiesen sind.
Nicht jeder im Dorf ist mit Jedem und Allem einverstanden, aber es gab und gibt immer den größeren und aktiveren Teil der Einwohner, der sich einzeln und gemeinsam für das übergeordnete Ziel, wie zum Beispiel die zentrale Wasserversorgung oder die Abwasserbeseitigung einsetzt und arbeitet. Differenzen zwischen Einheimischen und Zugezogenen haben beide Seiten gelöst. Die einheimische Land- und die zugezogene Stadtbevölkerung identifiziert sich gleichermaßen mit ihrem „Lütt Meckels“, Gegensätze sind nicht zu erkennen.

Unser soziales Kapital

Die Zukunft des Dorfes sind die Kinder. Ihr Spielkreis wurde zum Kindergarten mit ausgebildeten Erzieherinnen. Der Bestand der Grundschule wird gehegt und gepflegt. Wenn die Rektorin zu Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten bittet, stehen die Väter auf der Matte. Nahtlos wachsen die Kinder in den Turn- und Sportverein, in die Trachtengruppe, in die Dorfjugend – in die dörfliche Geborgenheit bis ins Erwachsenenzeitalter hinein.

Die in Kürze ausscheidende Bürgermeisterin Frau Ilse Ropers erklärt „ihr“ schönes Dorf: „Wenn die Dorfgemeinschaft stimmt, wenn sie lebendig ist, wenn miteinander geredet und nicht (nur) gestriten wird, dann wird auch miteinander gearbeitet. Das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit ist ein innerlich intaktes Gemeinwesen, dass sich nach außen von seiner schönsten und blumigsten Seite zeigt.“

 

Monica Lohmeyer-Wulf
Marschhorst 3,
27419 Klein Meckelsen

 

Großer Wandel in „Lütt Meckels“
1965 Das Dorf hat 600 Einwohner
1965 Einweihung einer Mittelpunktschule für Kinder aus fünf benachbarten Dörfern
1970 Einführung einer zentralen Wasserversorgung
1973 Selbsthilfe: Das Dorf installiert die Straßenbeleuchtung
1973 Klein Meckelsen wird an die zentrale Abfallentsorgung des Kreises Rotenburg angeschlossen
1992-1994 Ausweisung neuer Baugebiete mit 23 Bauplätzen
1992-1994 Anschluss des ganzen Dorfes an die zentrale Kläranlage der Samtgemeinde Sittensen
1997 „Lütt Meckels“ erhält eine Erdgasversorgung, auch im Außenbereich
2002 Neues Baugebiet mit 27 Bauplätzen
2009 Die Dorfgemeinschaft macht Druck: das Dorf wird an das DSL-Datennetz angeschlossen
2011 Das Dorf hat jetzt 965 Einwohner

 

Herausgeber:

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

In Zusammenarbeit mit
Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V.

September 2011